Wie würzt du deine Stimme?

Auch das Sprechen kannst du würzen. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich finde es gar nicht so leicht, das Essen immer richtig zu würzen. Immer eine gute Mischung zu finden aus verschiedenen Gewürzen, sodass es allen schmeckt und trotzdem meine persönliche Note herauszuschmecken ist.


Vielleicht hast du ja schon den anderen Blogartikel gelesen, in dem es um die Parallelen von Kochen und Sprechen geht. Ich verlinke ihn dir hier noch einmal, denn er bildet die Basis für das, was wir uns jetzt gemeinsam anschauen werden.


In diesem Artikel erfährst du:

- Wieso wir erstmal im "Extrem" üben

- Die Wichtigkeit des Kennens der eigenen Person

- Wie auf deinem Weg deine eigene Komposition entsteht


Es kann losgehen!


Was Kochen mit Sprechen zu tun hat 1

Es geht um DICH


Im Stimmtraining geht es oft darum, herauszufinden, was deine eigene Art ist, zu sprechen. Was dich ausmacht. Wodurch sich deine Stimme auszeichnet.


Denn wenn ich allen, die bei mir ein Stimmtraining machen, immer nur das Gleiche beibringe und mit allen das gleiche Klangideal anstrebe, haben wir am Ende eine Armee aus Robotern erschaffen. Ich denke mal, wir sind uns einig – das wäre nicht so toll.


Also: Im Stimmtraining und allgemein bei deiner Stimmarbeit ist immer das Ziel, dich selbst hörbar und sichtbar zu machen. Dabei können wir natürlich die Aspekte angehen, die dir gefallen und die du bei anderen gerne hörst. Aber spannend wird es erst dann, wenn wir dem Ergebnis deine Note verleihen. Deine Würze.


Und wie soll das gehen?


Was Kochen mit Sprechen zu tun hat 2

Deine Stimme im Extrem trainieren


Falls du schon mal ein Stimmtraining gemacht hast, weißt du schon, dass es zu Beginn recht unnatürlich klingen kann: In den meisten Fällen üben wir nämlich erstmal im Extrem.


Das heißt, wenn wir uns beispielsweise mit dem Thema Sprechtempo beschäftigen und dein Ziel ist, langsamer zu sprechen, kann es gut sein, das wir erst einmal technisch im Schneckentempo üben. Wir drehen dein Tempo runter auf die niedrigste Stufe und steigern uns dann langsam hin zu einem Mittelweg, der zwischen deinem „normalen“ Sprechtempo und dem Schneckentempo liegt.


Meist ist es leichter, den gewünschten Aspekt sehr stark hervorzuheben und etwas „zu stark“ zu üben. Denn so ist die Chance höher, dass du nicht alle paar Sekunden automatisch in dein altes Muster zurückfällst. Du erlernst sozusagen eine ganz neue Art des Sprechens, von der wir uns deine liebsten Aspekte nehmen und sie auf dein Sprechen übertragen.


Der erste Schritt, um deinem Sprechen eine individuelle Note zu verleihen, ist also, erst einmal einen Schritt von dir wegzugehen und technisch einen neuen Aspekt zu erlernen - um diesen dann im gewünschten Maße in dein Sprechen zu integrieren und für dich zu nutzen. So, als würdest du dir jeweils die Stärken der Technik-Sprechroboter herauspicken, die du gern übernehmen möchtest.



Eigenwahrnehmung als Schlüssel


Noch etwas ist grundlegend wichtig und unabdingbar, wenn du langfristig erreichen möchtest, dass du authentisch bleibst und dennoch deine Stärken beim Sprechen weiter unterstützt. Du musst dich selbst kennen.


Stimmarbeit ist keine Formung nur von außen, ich knete nicht an dir herum und schon ist alles gut. Bei der Stimmarbeit geht es darum, dich selbst genau kennenzulernen, mit dir selbst zusammenzuarbeiten, dich selbst immer ganzheitlich zu betrachten und deinen eigenen Weg zu finden - auch, wenn dieser vielleicht nicht zu dem Ziel führt, das du vor dem Start deiner Stimmarbeit für dich im Blick hattest.


Nur, wenn du dich selbst neugierig entdeckst, die verschiedenen Eigenschaften deiner Stimme und ihr Zusammenwirken mit anderen Teilen deines Körpers oder deines Innenlebens akzeptieren lernst und regelmäßig in dich hineinhorchst, sind eine langfristige Entwicklung und das Erreichen deiner Ziele in der Stimmarbeit möglich.


Ich weiß, das klingt jetzt sehr hart. Das soll es gar nicht. Eigentlich ist das doch ziemlich schön, oder?

Dass du auf dein Bauchgefühl hören darfst, dass es wirklich um dich geht - eigentlich ist das doch das, was uns guttut und was wir vermissen, wenn es nicht gegeben ist.


In der Stimmarbeit, ob mit meiner Unterstützung oder für dich allein, stehst du im Mittelpunkt. Du bestimmst die Richtung. Du experimentierst und entdeckst die Facetten deiner Stimme.

Ich denke, hier ist es offensichtlich - wenn wir dich ans Steuer lassen und du als Ganzes immer Priorität hast, dann können wir gar nicht vermeiden, dass dein Sprechen deine eigene Würze bekommt und behält. Und, dass du deine eigene Würze ausbaust und verfeinerst.



Damit geht der dritte und letzte Punkt einher.


Wenn du die Richtung angibst, dann bedeutet das auch, dass eine individuelle Mischung entsteht aus den Aspekten des Sprechens und des Stimmklangs, die du bewusst nutzt, förderst und die bei dir herauszuhören sind.



Ich fasse das noch einmal für dich zusammen:


Das, was dein Sprechen einzigartig macht und dich von anderen unterscheidet, ist deine „Würze“. Diese können wir in der Stimmarbeit durch 3 Dinge finden und fördern:


1. Wir üben im Extrem und übertragen dann die Aspekte auf dein Sprechen, die dich unterstützen können.


2. Wir gehen mit dir als ganzen Menschen um und finden den Weg, der zu dir passt, mit dem du dich wohl fühlst und der dich am besten unterstützen und fördern kann.


3. Und als letztes: Es entsteht deine einzigartige Sprechkomposition aus der Orientierung an deinen Wünschen und Zielen und dem Weg, der sich in der Arbeit mit dir und deiner stetigen Reflektion ergibt.



Ich würde sagen: Ab in die Sprechküche, es wird Zeit, das Essen auf deine Art zu würzen! ;)