Was Kochen mit Sprechen zu tun hat

Kochen kann kompliziert sein.


Stell dir vor, du möchtest etwas Neues kochen. Etwas, das du noch nie gekocht hast.

Einfach in die Küche gehen und loslegen – das funktioniert in diesem Fall nicht.


In diesem Artikel erfährst du:

- Was du alles zum Kochen brauchst und wieso das dem Sprechen so ähnlich ist

- Wie du direkt in die Umsetzung kommst – nicht nur in der Küche

- Wieso beim Sprechen deine einzigartige Würze so wichtig ist


Es kann losgehen!


Was Kochen mit Sprechen zu tun hat 1

Was du zum Kochen brauchst


Wenn du dich einem unbekannten Gericht widmest, das deinen sonst gern gekochten Gerichten kaum ähnelt, braucht es viel mehr an Vorbereitung.


Zuerst brauchst du ein Rezept. Einen Plan, der dich Schritt für Schritt durch den Prozess hin zu deinem Ziel führt und dir auflistet, was du vor dem Start vorbereiten und bereitstellen solltest.


Als nächstes benötigst du Utensilien. Sei es eine neue Backform, das große Nudelholz oder zwei Schneebesen.


Nicht zu vergessen ist dein Arbeitsplatz – ohne eine aufgeräumte Küche mit ausreichend Fläche zum Kochen dauert es am Ende viel länger, weil du andauernd Dinge zur Seite stellen oder „kurz mal abspülen“ musst.


Und so kommen wir zum Thema Zeit, denn auch diese muss eingeplant sein und frei zur Verfügung stehen. Während des Kochens eines neuen Gerichtes ist es nicht unbedingt ratsam, parallel noch das Bad putzen und Telefonate erledigen zu wollen. Und erst nachmittags anzufangen, wenn der Teig mehrmals für längere Zeit ruhen und dennoch das Essen um 19 Uhr auf dem Tisch stehen soll, könnte auch nicht ganz so klug sein.


Willst du gerade am liebsten schon sagen „Paula, da fehlt was! Wir brauchen doch auch die Zutaten!“? Ich höre dich und zähle sie hier gern als nächstes auf. ;)

Also: Zutaten. Auch diese möchten in der Vorbereitung eingekauft und bereitgelegt werden, bei manchen Teigrezepten beispielsweise musst du hier auch schon morgens an das Rauslegen der Butter denken. Puh, langsam wird es viel, oder? Vielleicht kochen wir doch lieber Miracoli, das wäre jetzt einfacher… Nix da, es geht in Richtung Endspurt!


Denn: Jetzt wird’s angepackt. Du wirst aktiv und widmest dich Schritt für Schritt der Umsetzung nach Rezept, tastest dich an dir unbekannte Arbeitsschritte heran und knetest und rührst.


So, irgendwie hast du dich durchgewurschtelt und landest beim letzten Schritt, der in deinem Rezept vermerkt ist: „Mit Salz, Pfeffer, Balsamico und Senf abschmecken“. Jetzt kommt dein Geschmack ins Spiel – du darfst probieren und es so verfeinern, wie es zu dir passt und dir gefällt.


Geschafft! Aber ein Teil fehlt noch:


Übung und Erfahrung. Damit es gut schmeckt, gut aussieht und zu deinem Gericht wird, machst du es nochmal. Und nochmal. Und nochmal. Bis die Abläufe so gut sitzen, dass du experimentierfreudig wirst und deine eigene Note einbringst.


Jetzt haben wir aber wirklich alles gefunden, was du zum Kochen brauchst.

Es wird Zeit, dass wir uns dem Sprechen widmen, weshalb du diesen Artikel ja eigentlich gerade liest.


Was Kochen mit Sprechen zu tun hat 2

Beim Sprechen ist es ähnlich


Du wirst gleich sehen, was ich meine – denn wir können Parallelen in allen Bestandteilen finden, mit denen wir uns eben gerade beschäftigt haben. Damit nicht nur dein Kopf beim Lesen gefüttert wird, gibt es hier für jeden Schritt einen Umsetzungsimpuls für dich.

Bereit?


Rezept = Analyse und Plan

Wenn du eine neue Sprechsituation meistern möchtest, schaust du dir erstmal an, was die Situation erfordert, was wichtig ist und was dein Ziel in der Situation ist. So entsteht ein Plan aus Schritten wie „im Stehen eine stabile Haltung einnehmen“, „Blickkontakt vor Beginn der Präsentation aufnehmen“ und „Zeit zum Einatmen lassen, bevor ich spreche“.


Impuls: Denke an eine Sprechsituation, die bald bei dir ansteht. Was möchtest du erreichen und bewirken? Wie möchtest du wirken? Und was brauchst du dafür? Verschaffe dir Klarheit darüber und mache dir so einen Plan.


Utensilien = Sprechwerkzeuge und Muskeln

Lippen, Zunge, Kiefermuskulatur, Kehlkopfmuskulatur, … - zum Sprechen brauchen wir sehr viele Utensilien! Sie sind wie Kochtopf und Kochlöffel die Werkzeuge, die du zum Umsetzen deines Rezeptes benötigst.


Impuls: Sprich ein paar Sätze und beobachte die „Utensilien“, die du dabei wahrnehmen kannst. Welche Bestandteile in Gesicht, Mund- und Rachenraum kannst du spüren? Wo im Körper findet Bewegung statt und sind somit auch weitere Utensilien zu verorten?


Arbeitsplatz = Körper und Umgebung

Beim Sprechen hast du einen inneren und äußeren Arbeitsplatz – dein gesamter Körper ist dein Arbeitsplatz, genauso aber auch deine Umgebung aus Gegenständen und Raum, den du einnehmen und in dem du dich bewegen kannst.


Impuls: Aktiviere deinen ganzen Körper vor dem Sprechen, als würdest du deinen Arbeitsplatz aufräumen und dir einen Überblick verschaffen. Greife hierzu deinen ganzen Körper ab, wie beim Massieren oder Pizzateigkneten. So regst du die Durchblutung an und machst dir alle Körperteile bewusst, die du für eine authentische Präsenz brauchst.


Zeit = Zeit

Auch zum Sprechen brauchst du Zeit, denn du möchtest ja beispielsweise in deiner Präsentation das ganze Projekt vorstellen und nicht nur eine Hälfte.


Impuls: Finde heraus, wieviel Zeit dir zum Sprechen zur Verfügung steht und stoppe dann beim Üben die Zeit. So hast du eine Orientierung, ob du ausschweifender berichten kannst oder doch knapper und schneller auf den Punkt kommen solltest.


Zutaten = Faktoren des Sprechens

Deine Zutaten sind beim Sprechen alle Aspekte der Gestaltung, wie beispielsweise dein Stimmvolumen, dein Sprechtempo, die Pausenlänge und deine Melodieführung.


Impuls: Nimm dich selbst beim Sprechen auf und versuche herauszuhören, welche Zutaten prominent sind. Welche kannst du heraushören? Was fällt dir auf?


Umsetzung = Sprechen

Jetzt ist es an der Zeit, deine Utensilien einzusetzen, um die Zutaten zu bearbeiten und zu kombinieren. Tada, du sprichst!


Impuls: Höre deine Aufnahme nochmal an – welche Zutat geht unter? Welcher Aspekt darf noch länger untergerührt werden? Nimm dir diesen als Arbeitsansatz vor, also beispielsweise „ich möchte mehr Sprechpausen einbauen“.



Würzen und abschmecken = dich selbst einbringen

Damit es nicht zu technisch wird, kommt jetzt deine Persönlichkeit ins Spiel: Du wirst hörbar, passt die Mischungsverhältnisse an und würzt es so, dass dein Sprechen flüssig und authentisch klingt.


Impuls: Frage deine Freund*innen und Kolleg*innen, wie sie deine Stimme beschreiben würden. Was kristallisiert sich heraus, was dein Markenzeichen ist? Was macht dein Sprechen besonders?


Übung und Erfahrung = Übung und Erfahrung

Auch die Vorbereitung einer neuen Sprechsituation oder die Weiterentwicklung einer bekannten braucht Übung. Übe vorher, bereite dich nach Rezept vor und sammle Erfahrungen, die deine Rezeptur verbessern.


Impuls: Reflektiere nach dem Üben und nach der Situation selbst, wie die Umsetzung deines weiter oben ausgesuchten Fokus‘ geklappt hat. Nähere dich durch kleine Veränderungen von Mal zu Mal dem Ergebnis an, das du dir wünschst.

Tipp: Nimm dich immer wieder auf, um die Veränderungen hören zu können.



Mach dein Sprechen zu deinem Spezialgericht


Deine einzigartige Würze ist so wichtig, auch beim Sprechen. Denn sonst würden wir ja alle gleich sprechen. Im Vorstellungsgespräch säßen zehn Roboter vor der auswählenden Person, im Freundeskreis würde niemand beim Spieleabend irgendwie herausstechen und in der Schulklasse wäre das Merken der Namen für Lehrkräfte noch schwerer.

Natürlich gibt es für verschiedene Situationen grundlegende sprecherische Aspekte, die wichtig sind und gut ankommen. Aber die Feinheiten, dein Umgehen mit deinem „Sprechgericht“, machen das Ergebnis erst stimmig und zu einem, das im Gedächtnis bleibt.



Das sollst du mitnehmen


Und, hast du dir alles gemerkt?


Ich fasse dir die wichtigsten Aspekte noch einmal zusammen:


Das Sprechen funktioniert ähnlich wie das Kochen – es gehören viele Bestandteile dazu, damit du eine Sprechsituation meistern und zu einer machen kannst, die du im Schlaf beherrschst.


Es ist wichtig, dass du dich und dein Sprechen selbst kennst – so kannst du schon heute mit der Umsetzung beginnen.


Vorbereitung spart Zeit und Nerven – auch beim Sprechen.


Fang direkt an, dir einen Fokus herauszupicken, den du optimieren möchtest. Und dann: Bleib dran und übe!


Vergiss dich selbst nicht und optimiere nicht alles bis zu einem roboterähnlichen Zustand. Du möchtest hörbar werden, wir wollen nur die Grundlage und den Raum für dich schaffen.



Und jetzt: Viel Spaß beim Kochen in deiner Sprechküche!



Übrigens: Weißt du, was mich zu diesem Blogartikel inspiriert hat? Ich habe vor Kurzem ein Stockphoto-Set gekauft – und da waren auch ein paar schöne Küchen-Fotos dabei. Dass ich diese mit als erstes verwenden würde, hätte ich beim Kauf nicht gedacht. ;)