So wirst du nicht mehr unterbrochen - auch wenn du Pausen machst

Ja, es ist möglich! Du kannst langsam sprechen und Pausen machen und dabei interessiert lauschende Zuhörende um dich haben. Und ja, ich weiß: das scheint in manchen Situationen unmöglich zu sein und eine 100prozentige Erfolgsgarantie gibt es nie, zumindest nicht im Kontakt mit „echten Menschen“. Ein bisschen mehr Ruhe im Sprechen, damit du eine Chance hast, gedanklich schon einen Schritt weiter zu sein und ein wenig mehr Zeit für die Einatmung, damit am Ende des Satzes die Luft nicht immer so knapp wird, sind schon ein Gewinn.

Probiere also gern mal die folgenden Tipps aus und nutze sie für dich – ich glaube an dich!


So wirst du nicht mehr unterbrochen

Bevor wir uns mit den Pausen beschäftigen, gucken wir uns dein Sprechtempo einmal genauer an.


Hast du schon mal Feedback zu deinem Tempo bekommen?


Frag doch mal bei Familie, Freund*innen oder Kolleg*innen nach, wie sie dein Sprechtempo einordnen würden – verstehen sie dich gut, kommen sie auch inhaltlich gut mit?

Und dann hör doch mal in deine eigenen Sprachnachrichten rein – was hörst du selbst? Wie ist dein Sprechtempo im Vergleich zu dem in den Nachrichten von deinen Freund*innen?

Betrachte die Ergebnisse ganz wertungsfrei, denn schnelles, mittleres und langsames Sprechen hat jeweils seine Vor- und Nachteile. Feiere lieber, dass du etwas über dich erfahren und dich wieder ein bisschen besser kennengelernt hast.



Jetzt will ich dich nicht länger auf die Folter spannen - los geht's mit den Tipps!


3 Tipps, wie du langsameres Sprechen üben kannst


Sprich ein paar Sätze gaaannnzzz lllaaannngggsssaaammm – genieße dabei die Formung aller Laute im Mund, denn du kannst nicht nur die Vokale dehnen: Auch viele Konsonanten lassen sich auskosten und möchten gern mal länger klingen. Zieh es durch, es kann auch richtig Spaß machen!


Erhöhe das Tempo nun langsam etwas. Nimm dabei bewusst wahr, wie sich beim Formen der einzelnen Laute Zunge, Lippen und Unterkiefer bewegen. Werde also nicht ungeduldig und erhöhe das Tempo wirklich nur Stück für Stück, um alles in deinem Mundraum wahrnehmen zu können.


Finde ein Tempo, bei dem du einerseits noch alles wahrnehmen kannst, das andererseits aber auch wieder alltagstauglicher ist. Das darf ruhig langsamer sein als vorher (wird es durch deine Fokussierung auf die feinen Bewegungen im Mund automatisch sein), kontrolliere dein Tempo also gern mit neuen Aufnahmen oder im „Testgespräch“ mit einem vertrauten Menschen.

Bonus: Dein Sprechen wird durch den bewussten Fokus auch deutlicher, deine Artikulation wird klarer und genauer. Praktisch, oder?


Sprichst du eher langsam und möchtest schwungvoller sprechen?

Dann kommen hier auch drei Tipps für dich:


Sprich flüssig – Beim Sprechen fließt gleichmäßig Luft aus dir heraus, in einem gebündelten Strom. Versuche, genau das wahrzunehmen während du sprichst: Deine Stimme legt sich auf deine Atmung und begleitet sie nach draußen. Nach Satzende kommt die genüssliche Einatmung, bevor der nächste Satz oder Abschnitt wieder in einem Schwung nach draußen fließen darf.


Setz dir Ziele – Stell dir den Satz, den du sagen möchtest, doch mal geschrieben vor. Am Ende ist ein Punkt oder ein anderes Satzzeichen zu finden. Und danach kommt eine Leertaste oder handschriftlich ein bisschen Raum, bis der nächste Satz beginnt. Diese Leertaste ist dein Ziel, als würdest du eine Rutsche herunterrutschen und der Boden unter deinen Füßen wäre erst mit der Leertaste wieder erreicht.


Nutze Betonungen – Wenn das mit dem flüssigen Rutsch bis zum Satzende gut klappt, kannst du dir auch innerhalb eines Satzes kleine Ankerpunkte suchen, vor denen Schwung geholt wird – wie beim Schaukeln. Was ist das wichtigste Wort, was die wichtigste Aussage in deinem Satz oder im kleinen Abschnitt? Hab es vor Augen und hab Spaß daran, wie von selbst mit Anlauf darauf zu zu sprechen – und danach wieder zurückzuschaukeln, um für’s nächste Ziel bereit zu sein.



Und wenn du mit deinem Sprechtempo experimentiert hast, wenden wir uns jetzt den Pausen zu. Dein Tempo darf weiterhin variieren und sich entwickeln – schließlich nutzen wir in unterschiedlichen Situationen und mit unterschiedlichen Menschen auch unterschiedliche Tempi und das ist auch gut so!


Kennst du jemanden, persönlich oder vielleicht aus den Medien, die*der bedeutungsvoll wirkende Pausen beim Sprechen macht? Es gibt diese Menschen, die so einen Zauber haben. Denen alle zuhören, auch in der Stille. Dann wird es ja Zeit, dass du das auch lernst, oder?



3 Tipps für dich, um Pausen sinn- und wirkungsvoll einzusetzen


Pausen füllen – In der Sprechpause wird die Spannung gehalten, aber das Gesagte kann sich setzen. Die Zuhörenden merken, dass du noch nicht fertig bist und gleich weitersprechen wirst. Das Ende eines inhaltlichen Abschnittes ist deutlich geworden, sodass sie sich innerlich schon auf neuen Inhalt einstellen. Wie du das umsetzen kannst? Halte den Blickkontakt, bleib körperlich zu den Zuhörenden hingewandt, lass eine Geste im Raum stehen oder bewege dich sogar einen Schritt nach vorne oder zur Seite – ohne Blickkontakt, Ausrichtung und Körperspannung zu verlieren.


Aktiv bleiben – Wenn die Spannungskurve auch für dich spannend ist, wird das spürbar. Gib also nicht alle wichtigen oder spannenden Aspekte schon in den ersten Sätzen heraus. Baue sie lieber immer wieder ein, denn so fällt es dir leichter, an der Spannung zu bleiben – körperlich und stimmlich. Außerdem setzt du so immer wieder Akzente und die Zuhörenden bleiben eher am Ball. Wenn du nun Pausen einbaust, wirst du auch nicht unterbrochen, denn alle wissen jetzt, dass gleich sicher noch etwas Neues und Spannendes kommt. Sie bleiben wach und neugierig.


Roter Faden – Natürlich kannst du (je nach Situation) auch Anekdoten und Hintergrundinfos einbauen. Aber es muss immer klar sein, worum es ursprünglich ging, beziehungsweise geht. Du möchtest als eine Person in Erinnerung bleiben, die nicht wortkarg ist, aber dennoch auf den Punkt kommt. Das passt zum vorherigen Tipp, denn ohne einander funktionieren diese beiden nicht. So strukturierst du dein Sprechen für dich und für deine Zuhörenden übersichtlich und wirkungsvoll. Struktur ist wichtig, wenn es darum geht, auch mal Pausen machen zu können. Wenn du deine Struktur für dich klar hast, wird das auch in deinen Sprechpausen spürbar. Man merkt, dass du nicht ins Hadern kommst, sondern den nächsten inhaltlichen Abschnitt und das große Ganze vor Augen hast. Ich werde dich nicht unterbrechen, wenn für mich klar wird, dass noch wichtige Informationen kommen und du diese klar und strukturiert kommunizieren wirst.



Los geht’s:


Probiere die Tipps für dein Sprechtempo und deine Pausen aus, spiele mit der Länge der Pausen und der Art, wie du die Pausen füllst. Nimm dich hierbei doch einfach mal auf Video auf! Wenn du das öfter machst, wirst du es bald schon gern anschauen, denn du wirst Entwicklungen sehen können! Ansonsten kannst du natürlich auch Familie oder Freund*innen zum Testen nutzen. Beachte beim Üben und Ausprobieren, dass du die Tipps in privaten und beruflichen Situationen ‚unterschiedlich stark‘ nutzen kannst. Vertraue da deinem Gefühl und deiner Erfahrung.


Worauf wartest du noch? Leg los und hab viel Spaß dabei!